Worum es geht

Patientenberatung 2016

Die neue „U“PD, die „Unabhängige“ Patientenberatung Deutschland, berät seit Anfang 2016 Patientinnen und Patienten. Hinter dem altbekannten Logo, der Website www.patientenberatung.de, und der Rufnummer 0800 011 77 22 verbirgt sich aber ein neuer Anbieter: Einziger Gesellschafter dieser neuen UPD ist die Sanvartis AG, eine Gesellschaft, die sonst vor allem für viele Krankenkassen und Pharmaunternehmen Callcenter betreibt. Dies ist vielfach in den Medien als nicht unabhängige Konstruktion analysiert worden (Dazu mehr unter Pressearchiv), deshalb wird auf dieser Website das „U“ in Anführungszeichen gesetzt.
Die „U“PD berät zwar wie die alte UPD kostenfrei, ob die Ratsuchenden ihr zutrauen, neutral und unabhängig zu beraten, bleibt abzuwarten.
Ob ein Unternehmen, das sein Geld hauptsächlich für einen der mächtigsten Player im Gesundheitssystem verdient, die von der „alten“ UPD entwickelte Kombination aus Parteinahme für die Patienten und Neutralität in der Beratung gewährleisten kann, wird von vielen Experten angezweifelt.
Der Anbieter, der nun den Zuschlag erhalten hat, legt auf eine verlässliche, ständige lokale Präsenz offenbar wenig Wert. Er behauptete zwar zunächst, dass in mindestens 30 Städten Beratungsstellen eröffnet werden, nun heißen diese Stellen aber schon „Stationen“. Dies wurde aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen wurde bekannt. Dort steht weiterhin, dass für die 30 „Beratungsstellen“ insgesamt 6 Vollzeitkräfte zur Verfügung stehen: Je Beratungsstelle also 0,2 Berater – das sind Beschäftigungsverhältnisse, von denen man nicht leben kann. Dadurch muss einerseits an der Kompetenz der BeraterInnen gezweifelt werden, andererseits stellt sich die Frage, womit diese Menschen denn den Rest ihres Einkommens verdienen. Sollten sie dies in einer Arztpraxis oder in einer Anwaltskanzlei tun, wäre die Unabhängigkeit der Beratung ein weiteres Mal in Frage gestellt.
Die „alte“ UPD unterhielt 21 regionale Beratungsstellen und war über ein Beratungstelefon in drei (deutsch russisch türkisch?) Sprachen zu erreichen. Getragen wurde die gemeinnützige GmbH seit 2006 von drei Gesellschaftern: dem Sozialverband VdK Deutschland, dem Bundesverband Verbraucherzentralen und dem Verbund unabhängige Patientenberatung.

Im Interesse der Verbraucherinnen und Patienten
Die UPD verstand sich als Lotse, Wegweiser und Berater: Die Ratsuchenden erhielten Informationen, Beratung und Unterstützung – frei von Interessen der Krankenkassen, Ärzte, pharmazeutischen Industrie und anderen Akteuren. Viele ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kommen aus der Patientenselbsthilfe oder sozialen Initiativen, und die UPD war in der Patientenszene gut vernetzt, was zur hohen Qualität der Beratung beitrug.
Die Beratungsgespräche wurden dokumentiert und ausgewertet. In einem ,Monitor Patientenberatung‘ genannten Bericht wurde jedes Jahr deutlichgemacht, wo häufig Probleme im Gesundheitswesen auftreten. Der Bericht wurde dem Patientenbeauftragten zur Verfügung gestellt, damit die Politik daraus den gesetzlichen Änderungsbedarf erkennen und umsetzen konnte.

Gespräche auf gleicher Augenhöhe
Für viele Patientinnen und Patienten macht es einen Unterschied, ob sie sich vertrauensvoll an einen Berater wenden können, der von seinem Selbstverständnis, seinem Arbeitsauftrag und seiner Ausbildung her die Nöte der Betroffenen nachvollziehen kann und gemeinsam mit ihnen nach der passenden Lösungen sucht, oder ob sie beim Callcenter eines Unternehmens landen, das in seiner Selbstdarstellung damit wirbt, im Umgang mit Patienten „messbare Erträge“ zu erzielen, also für die Kassen Einsparpotenziale ausschöpfen.

Ansprechpartner vor Ort
In jedem Bundesland gab es mindestens eine lokale Beratungsstelle, die mit mindestens drei kompetenten BeraterInnen besetzt war. Dort wurden Öffnungszeiten angeboten für persönliche Beratungen und Informationen für Patientinnen und Patienten bereit gehalten. Gerade für verunsicherte Patientinnen und Patienten mit schwieriger und langer Vorgeschichte sind die dort möglichen vertiefenden Beratungsgespräche unverzichtbar. Die Berater vor Ort kannten sich mit der lokalen Infrastruktur aus und ebneten so den Weg zu Behörden, Selbsthilfegruppen usw.. Die zusammen gerechnete Beratungserfahrung dieser BeraterInnen belief sich auf über 1.000 Jahre. Und jetzt sind sie fast alle arbeitslos, Keine(!) arbeitet bei der „U“PD. (Mehr lesen im Abschlussbericht der UPD)

Durchblick im Gesundheitsdschungel – unabhängig von Kasseninteressen
Die bisherige UPD hatte den Ratsuchenden Wege durch das labyrinthische Gesundheitssystem aufzeigt und sie so bei ihren Entscheidungen unterstützt. Dabei hatte sie den ganzen Menschen im Blick: nicht nur medizinische Aspekte, sondern auch die psychosozialen und rechtlichen Probleme der Betroffenen.

Gesundheitskompetenz fördern
Die bisherige UPD verfolgte seit jeher einen emanzipatorischen Ansatz: Die Ratsuchenden sollten in die Lage versetzt werden, etwa ihre Erkrankung oder das Gesundheitssystem besser zu verstehen und auf dieser Basis souveräne Entscheidungen zu treffen, statt sich als Spielball fremder Mächte zu erleben. Gerade Menschen mit niedrigem sozioökonomischem (Einkommen?) Status haben oft eine geringe Gesundheitskompetenz und profitierten von diesen Angeboten.

Ein Gedanke zu „Worum es geht

  1. Seidel

    Wo war der Sozialverband VdK, wo der Bundesverband Verbraucherschutz, Verbund unabhängige Patientenberatung ?????
    Haben solche „Institutionen“ keine Macht mehr so eine „Entscheidung“ zu verhindern………….
    Ich bin entsetzt…..

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