Kategorie-Archiv: Statements

Solidaritätsadressen und Kommentare von Fachleuten, Freunden, Nutzern und Mitarbeitern der bisherigen UPD

Burghard Eilmes, Ruppichteroth

Burghard_Eilmes_RuppichterothKommt ein Mann zum Arzt, der ihm eine unerwartete Diagnose stellt und eine komplizierte Behandlung empfiehlt. Dafür muss die Krankenkasse allerdings vorher ihre Zustimmung geben. Der Mann ist 60 Jahre alt und arbeitet seit 40 Jahren als Müllwerker. Er hat nur verstanden, dass er seine Krankenkasse etwas fragen muss – was genau, ist ihm völlig unklar.

Dieser Mann kann seit zehn Jahren bei der UPD anrufen und fragen, um was es eigentlich geht und was zu tun ist. Er bekommt Antworten auf seine Fragen, in einer Sprache, die er versteht. Dann kann er mit den Unterlagen, die der Berater am Telefon ja nicht einsehen kann, zur nächstgelegenen Beratungsstelle gehen. Dort wird ihm geholfen. Heute wird er also in die Lage versetzt, sein Gesundheitsproblem zu bewältigen. So soll es sein.

Doch was wird ab 2016 sein? Dann landet er bei einem Callcenter, das „nebenbei“ womöglich für die Krankenkasse arbeitet, die seine Behandlung bezahlen soll. Das vom Patientenbeauftragten und den gesetzlichen Krankenkassen für die zukünftige Patientenberatung ausgesuchte Callcenter verspricht seinen Kunden auf seiner Website „messbare Erträge“. Ob das den Mann als Kunden einschließt, darf bezweifelt werden.

Burghard Eilmes, Ruppichteroth

Andrea Fischer

Andrea Fischer„Die UPD hat eine Lücke im deutschen Gesundheitswesen geschlossen: In diesem System mit unübersehbar vielen Akteuren gab es endlich eine wirklich von finanziellen und Organisationsinteressen unabhängige Beratung. Das hat schon bei ihrer Einführung den Widerstand der Krankenkassen geweckt – sie sahen sich selbst als die natürliche Vertretung von Patienteninteressen. Aber manchmal sind auch kritische Informationen über Krankenkassen vonnöten.

Natürlich gab es Anfangsschwierigkeiten, die UPD musste ihre Rolle erst finden. Aber sie hat daraus gelernt und inzwischen ist die UPD eine breit anerkannte und hoch geschätzte Hilfe für viele Patientinnen und Patienten, sie weist ihnen einen Weg durch das schwer durchschaubare System von vielen Anbietern.

Das Unternehmen Sanvartis, das jetzt die Beratung übernehmen soll, hat schon vielfach für Krankenkassen Dienstleistungen erbracht und macht das auch weiterhin. Es ist daher nicht in der Position, wirklich unabhängig zu beraten. Das ist ein gewaltiger Rückschritt – den Patientinnen und Patienten wird eine freie Stimme fehlen, die ihnen hilft sich zurechtzufinden und das zu bekommen, was sie brauchen. Deshalb darf die Politik diese Entwicklung nicht einfach geschehen lassen und muss Sorge dafür tragen, dass eine wirklich unabhängige Beratung auch weiterhin gewährleistet ist.“

Andrea Fischer, 1998 bis 2001 Bundesministerin für Gesundheit,
verantwortlich für die erste Version des § 65b

Adolf Bauer, Präsident des Sozialverbands Deutschland

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„Der Grundsatz der Unabhängigkeit und Neutralität darf nicht verletzt werden. Denn die hohe Qualität und die unabhängige Unterstützung von Patientinnen und Patienten sind in Gefahr, wenn die Beratung über einen kommerziellen Anbieter erfolgt. Es ist nicht nachzuvollziehen, dass ein anerkanntes Beratungsangebot, das sich seit langem bewährt hat, nicht weiter finanziert werden soll. Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Interessenvertretung von Patientinnen und Patienten durch die UPD mitunter unbequem für die Krankenkassen sein kann.“

Adolf Bauer, Präsident, Sozialverband Deutschland (SoVD)

Jörg Sauskat, Referent für Gesundheitspolitik

Jörg_Sauskat_klein„Patientinnen und Patienten werden heutzutage mit einer wachsenden Zahl häufig nicht evidenzbasierter Gesundheitsangebote konfrontiert und sind für ihre Entscheidungsfindung dringend auf unabhängige Beratung angewiesen. Auch wegen manch fragwürdiger Praktiken der Krankenkassen etwa bei der Hilfsmittelversorgung oder beim Krankengeldmanagement brauchen Patientinnen und Patienten starke, unabhängige Unterstützung. Die Vergabe der Unabhängigen Patientenberatung ausgerechnet an einen kommerziellen Anbieter von Callcentern ist deswegen ein absurder Anachronismus.“

Jörg Sauskat, Referent Gesundheitspolitik, Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen

Wolfgang Klier, Köln

Wolfgang_Klier„Die Stärkung der Patientinnen und Patienten – durch Information, Aufklärung, Beratung und Unterstützung – bei der Wahrnehmung ihrer Interessen gegenüber den Kostenträgern (Krankenkassen), den Leistungsanbietern (Ärzten/Ärztinnen, Krankenhäusern) und der Pharmaindustrie ist umso wichtiger, je mehr in unserem Gesundheitssystem die Tendenz Platz greift, die Logik des Geldes und Kostendenken über die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten zu stellen.

In den vergangenen 10 Jahren hat die UPD in der bisherigen Trägerschaft diese Aufgabe im Interesse der Patientinnen und Patienten kompetent, kritisch und tatsächlich unabhängig erfüllt – hier ist der Name zugleich Programm! Dass sie damit immer wieder auch sehr unbequem für die übrigen Akteure des Gesundheitswesens werden kann, ist unvermeidbar und gehört geradezu zum Wesen einer unabhängigen Patientenberatung. Die UPD sollte gerade deshalb unbedingt in der bisherigen Trägerschaft weiter geführt werden!“

Wolfgang Klier, von 2002 bis 2012 beim Gesundheitsamt Köln,
Geschäftsführer der Kommunalen Gesundheitskonferenz Köln

Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks fordert gründliche Überprüfung der Entscheidung

Hagemann_und_Prüfer-Storcks„Wir brauchen auch in Zukunft bundesweit eine unabhängige und qualitativ hochwertige Beratung für Patientinnen und Patienten. Deshalb ist es wichtig, dass die Vergabekammer des Bundeskartellamtes genau prüft, ob die Vergabe in einem transparenten, diskriminierungsfreien und wettbewerblichen Verfahren stattgefunden hat“, sagte Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks anlässlich eines Besuchs der UPD-Beratungsstelle in Hamburg.

Quelle: Pressemitteilung der Hamburger Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz, 5. August 2015

Dr. Björn Eggert, Zahnarzt

Björn Eggert klein„Zahnmedizinische Fragestellungen sind in den letzten Jahren immer komplexer geworden – auch in der Vergütung. Welcher Teil wird von der gesetzlichen Krankenkasse getragen? Was sind Privatleistungen? Wo sind Zuzahlungen nötig, wo möglich, wo sinnvoll? Patienten suchen Orientierung. Sie möchten ausführliche Erläuterungen und vertrauliche Beratung.

Hier hat die Patientenberatung der UPD in den letzten Jahren hervorragende Arbeit geleistet und erhebliche Kompetenzen aufgebaut, auch für nicht deutsch sprechende Menschen. Diese Fähigkeiten und Erfahrungen gilt es auch in der Zukunft zu nutzen und noch weiter auszubauen.“

Dr. Björn Eggert, Zahnarzt, dipl. Gesundheitsökonom, 
Geschäftsführer goDentis – Gesellschaft für Innovation in der Zahnheilkunde mbH

Kerstin Hagemann, Hamburg

Hagemann01„Die geplante Vergabeentscheidung der Unabhängigen Patientenberatung an ein kommerzielles Unternehmen ist ein bitterer Rückschritt um 20 Jahre in dem Engagement für die Interessen von Patientinnen und Patienten.

Es fehlt an Transparenz im Vergabeverfahren, es gibt keine Beteiligung der benannten Patientenvertretungsorganisationen und nach meiner Auffassung werden die gesetzlich vorgeschriebenen Anforderungen an Unabhängigkeit und Neutralität in der Beratung missachtet.

Als wir uns in der Modellprojektphase um die Trägerschaft für die Beratungsstelle in Hamburg beworben haben, mussten wir sowohl unsere Erfahrungen in der Patientenberatung als auch die Gemeinnützigkeit nachweisen. Richtig so, denn es sollten die beteiligt werden, die das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger genießen und ihre Unabhängigkeit bereits unter Beweis gestellt haben.“

Kerstin Hagemann, Patienten-Initiative e. V., Hamburg

Dr. Andreas Gassen, KBV

„Die UPD ist in ihrer Arbeit kritisch, dabei aber immer sachlich – und vor allem glaubwürdig. Sie steht für Unabhängigkeit und ist eine authentische Anwältin für die Interessen der Patienten.

Es stellt einen Fehler dar, die Patientenberatung in andere Hände legen zu wollen. Ist die UPD den Krankenkassen vielleicht zu unbequem geworden? Steht es nicht auch den Krankenkassen gut zu Gesicht, einen manchmal kritischen, aber immer fairen Partner an der Seite zu haben, der aufzeigt, wo der berühmte Schuh beim Versicherten drückt?

Wir sollten es nicht zulassen, dass der exzellente Ruf einer glaubwürdigen und unabhängigen Patientenberatung gefährdet wird. Daher sollte die Patientenberatung bei den bisherigen Trägern der UPD bleiben.“

Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV)

Dr. Wolfgang Wodarg, Transparency International Deutschland e. V.

(c) Wolfgang Wodarg, http://www.wodarg.de/presse/pressefotos/index.html

(c) Wolfgang Wodarg, http://www.wodarg.de

„Durch die derzeitige gesetzliche Regelung zur Vergabe (§65b SGB V) können die gesetzlichen Krankenversicherungen die Ausrichtung der UPD erheblich beeinflussen. Dieses Vergabeverfahren sollte dringend überdacht werden. Die Bundesregierung muss dafür Sorge tragen, dass die Unabhängigkeit der UPD durch eine Verpflichtung der Auftragnehmer nach dem Verpflichtungsgesetz abgestützt wird, um Korruption bei der Patientenberatung vorzubeugen. Tranparency International Deutschland wird ggf. darauf bestehen, die derzeit laufende Vergabe sowie die sie begleitenden Vorgänge mit allen gesetzlichen Möglichkeiten transparent zu machen.“

Dr. Wolfgang Wodarg, Mitglied im Vorstand von
Transparency International Deutschland e. V.